Altersvorsorgedepot (AVD) ab 01.01.2027

Aktueller Stand

Das Gesetz beschreibt die Grundzüge des AVD.

Für viele Details wird noch eine sogenannte:

Durchführungsverordnung des Bundesfinanzministeriums

benötigt.

Von dieser hängen unter anderem ab:

  • endgültige Produktgestaltung
  • technische Umsetzung
  • konkrete Tarifierungen der Anbieter

Solange diese Verordnung nicht vorliegt, sind viele Details noch nicht abschließend festgelegt. Bitte bleiben Sie noch gelassen, auch wenn in allen Medien und von einigen Finanzdienstleistern so getan wird, als könnte man heute schon ein AVD abschließen. Das ist Stand heute (17.09.2026) noch nicht möglich.

Meine persönliche Einschätzung zum Altersvorsorgedepot 2027

Das Altersvorsorgedepot wird aus meiner Sicht die größte Reform der privaten Altersvorsorge seit über 20 Jahren.

In den vergangenen Monaten wurde viel darüber diskutiert, ob das neue Altersvorsorgedepot klassische Altersvorsorgelösungen ersetzen wird, ob Berater zukünftig überhaupt noch gebraucht werden oder ob am Ende jeder seine Altersvorsorge einfach selbst über einen Neobroker organisiert.

Meine Einschätzung dazu ist eindeutig:

Das Altersvorsorgedepot wird die Altersvorsorge verändern, aber es wird eine gute Beratung nicht ersetzen. Im Gegenteil.

Die Reform bringt viele Chancen

Besonders positiv sehe ich, dass die staatliche Förderung einfacher und verständlicher werden soll als bisher.

Für viele Menschen wird erstmals greifbar, wie stark der Staat den langfristigen Vermögensaufbau unterstützen kann.

Auch die stärkere Ausrichtung auf den Kapitalmarkt halte ich grundsätzlich für richtig. Gerade bei langen Laufzeiten können ETFs und breit gestreute Kapitalanlagen einen wichtigen Beitrag zum Vermögensaufbau leisten.

Darüber hinaus begrüße ich ausdrücklich, dass künftig auch viele Selbstständige, Freiberufler und Kammerberufler Zugang zu den neuen Fördermöglichkeiten erhalten sollen.

Nicht jede Lösung passt zu jedem Menschen

Was in der aktuellen Diskussion häufig übersehen wird:

Das Altersvorsorgedepot ist ein Baustein der Altersvorsorge, aber selten die vollständige Lösung.

Die meisten Menschen lösen ihre Versorgungslücke nicht mit einem einzelnen Produkt.

Zu einer nachhaltigen Altersvorsorgestrategie gehören häufig mehrere Bausteine:

  • gesetzliche Rentenansprüche
  • Versorgungswerke
  • private Altersvorsorge
  • Vermögensaufbau über ETFs oder Fonds
  • Immobilienvermögen
  • betriebliche Altersversorgung
  • Unternehmens- oder Praxiswerte

Deshalb halte ich nichts von pauschalen Aussagen wie:

„Ab 2027 braucht jeder nur noch ein Altersvorsorgedepot.“

Dafür sind die Lebenssituationen meiner Mandanten viel zu unterschiedlich.

Das Standardprodukt sehe ich kritisch

Aktuell ist vorgesehen, dass es neben Premiumlösungen auch ein stark standardisiertes Basisprodukt geben wird.

Hier sehe ich durchaus Einschränkungen.

Wenn die Fondsauswahl begrenzt ist und wichtige Gestaltungsmöglichkeiten fehlen, mag das für manche Anleger ausreichend sein.

Für viele meiner Mandanten, insbesondere Ärzte, Zahnärzte, Unternehmer und Freiberufler, wird eine individuelle Lösung jedoch meist die sinnvollere Alternative sein.

Bestehende Riester-Verträge sollten geprüft werden

Besonders wichtig ist mir ein Punkt:

Nicht jeder bestehende Riester-Vertrag sollte automatisch ersetzt werden.

Stichwort: 5€ Rieser! Gerade Familien mit mehreren Kindern oder Personen mit besonderen Förderkonstellationen können auch zukünftig von bestehenden Verträgen profitieren.

Deshalb lautet meine Empfehlung:

Vor jeder Entscheidung sollte eine individuelle Prüfung erfolgen.

Pauschale Empfehlungen werden der Komplexität dieser Reform nicht gerecht.

Warum Beratung wichtiger wird

Manche Marktteilnehmer argumentieren, dass Menschen künftig ihre Altersvorsorge mit wenigen Klicks online abschließen können.

Das wird technisch sicherlich möglich sein.

Die eigentliche Frage lautet jedoch:

Ist das auch die beste Entscheidung?

Aus meiner täglichen Beratungspraxis weiß ich, dass die meisten Menschen nicht nach einem Produkt suchen.

Sie suchen nach Antworten auf Fragen wie:

  • Reicht meine Altersvorsorge später aus?
  • Wie groß ist meine Versorgungslücke?
  • Welche Rolle spielt mein Versorgungswerk?
  • Sollte ich lieber Vermögen aufbauen oder Schulden tilgen?
  • Welche steuerlichen Auswirkungen entstehen?
  • Welche Lösung passt zu meiner Familie und meinen Zielen?

Genau deshalb bin ich überzeugt:

Die Bedeutung einer ganzheitlichen Finanz- und Altersvorsorgeplanung wird durch das Altersvorsorgedepot nicht kleiner, sondern größer.

Warum ich das Standardprodukte kritisch sehe

Grundsätzlich begrüße ich, dass mit dem Altersvorsorgedepot ein einfaches und kostengünstiges Standardprodukt geschaffen werden soll. Für Menschen, die sich überhaupt nicht mit Altersvorsorge beschäftigen möchten, kann das ein sinnvoller Einstieg sein.

Trotzdem sehe ich einige Punkte kritisch.

Begrenzte Fondsauswahl

Nach aktuellem Stand sollen Standardprodukte lediglich zwei Fonds enthalten:

  • einen defensiven Fonds
  • einen offensiven Fonds

Dadurch wird die Hälfte der Einzahlungen in einem Fonds angelegt, der geringe Renditeaussichten hat und dadurch sinkt die durchschnittliche Gesamtrendite.

Welche Fonds das sind, bestimmt ausschließlich der jeweilige Anbieter.

Als Anleger habe ich damit praktisch keinen Einfluss auf die Auswahl der Investments.

Gerade bei langen Anlagezeiträumen von 20, 30 oder sogar 40 Jahren halte ich eine breitere Auswahl für sinnvoll.

Keine individuelle Anpassung

Im Standardprodukt sind die Gestaltungsmöglichkeiten deutlich eingeschränkt.

Wer seine Anlagestrategie im Laufe der Zeit anpassen möchte, stößt schnell an Grenzen.

Dabei verändert sich das Leben:

  • Familiengründung
  • Immobilienerwerb
  • Praxisgründung
  • Unternehmensverkauf
  • Vermögensaufbau

Eine gute Altersvorsorgestrategie sollte solche Veränderungen begleiten können.

Begrenzte Flexibilität

Das Standardprodukt verfolgt den Gedanken der Vereinfachung.

Der Nachteil dabei:

Viele individuelle Gestaltungsmöglichkeiten entfallen.

Für Menschen mit einfachen Finanzsituationen mag das ausreichend sein.

Für Ärzte, Zahnärzte, Unternehmer oder Selbstständige ist die Realität häufig deutlich komplexer.

Altersvorsorge ist mehr als nur Kosten

Oft wird ausschließlich über Kosten gesprochen.

Natürlich sind niedrige Kosten wichtig.

Aus meiner Sicht ist jedoch die entscheidende Frage:

Wie viel Vermögen entsteht langfristig nach Kosten?

Eine etwas höhere Kostenquote kann durchaus gerechtfertigt sein, wenn im Gegenzug bessere Anlagemöglichkeiten, mehr Flexibilität oder bessere Steuerungsinstrumente zur Verfügung stehen.

Warum ich die Premiumlösung ohne Garantie besonders interessant finde

Wenn ich heute auf die bisher bekannten Rahmenbedingungen schaue, halte ich die Premiumprodukte ohne Garantie für besonders spannend.

Vor allem für jüngere Anleger.

Mehr Kapitalmarkt, weniger Garantie

Die größte Neuerung besteht darin, dass erstmals auch eine Variante ohne Beitragsgarantie möglich sein wird.

Das klingt zunächst ungewohnt.

In Wirklichkeit bedeutet es aber vor allem eines:

Mehr Kapital kann für den langfristigen Vermögensaufbau arbeiten.

Garantien kosten Geld.

Dieses Geld fehlt am Ende häufig bei den Renditechancen.

Bei langen Laufzeiten von 20, 30 oder 40 Jahren kann eine höhere Aktienquote erhebliche Auswirkungen auf das Endvermögen haben.

Größere Fondsauswahl

Während das Standardprodukt auf wenige Fonds begrenzt ist, sollen Premiumlösungen deutlich mehr Auswahlmöglichkeiten bieten.

Dadurch können Anlagestrategien besser auf die jeweilige Person abgestimmt werden.

Beispielsweise:

  • globale Aktienfonds
  • ETF-Portfolios
  • thematische Anlagen
  • langfristige Infrastrukturinvestments
  • ELTIFs (European Long-Term Investment Funds)

Rebalancing und professionelle Steuerung

Ein weiterer Vorteil sind zusätzliche Steuerungsmechanismen.

Dazu können je nach Anbieter gehören:

  • automatisches Rebalancing
  • Umschichtungsstrategien
  • Ablaufmanagement
  • digitale Vermögensübersichten

Solche Funktionen helfen dabei, die ursprünglich gewählte Strategie langfristig beizubehalten.

Wohnwirtschaftliche Verwendung

Nach aktuellem Stand sollen Premiumprodukte auch die Nutzung für wohnwirtschaftliche Zwecke unterstützen.

Damit bleibt die Möglichkeit bestehen, Altersvorsorgegelder unter bestimmten Voraussetzungen für selbstgenutztes Wohneigentum einzusetzen.

Gerade für junge Familien kann das ein interessanter Baustein sein.

Bessere Integration in eine Gesamtstrategie

Der größte Vorteil liegt aus meiner Sicht nicht in einzelnen Funktionen.

Der größte Vorteil liegt darin, dass sich Premiumlösungen deutlich besser in eine ganzheitliche Finanzplanung integrieren lassen.

Denn Altersvorsorge besteht selten nur aus:

  • einem Depot,
  • einer Förderlösung oder
  • einem einzelnen Vertrag.

Vielmehr geht es um das Zusammenspiel verschiedenster Vermögensbausteine.

Meine persönliche Einschätzung

Wenn das Altersvorsorgedepot in der aktuell diskutierten Form kommt, sehe ich das Standardprodukt vor allem als Einstiegslösung.

Die Premiumvariante ohne Garantie könnte dagegen gerade für junge Menschen, Akademiker, Ärzte, Zahnärzte, Unternehmer und langfristig orientierte Anleger besonders interessant sein.

Wer noch 20, 30 oder sogar 40 Jahre bis zum Ruhestand hat, sollte aus meiner Sicht zumindest prüfen, ob eine höhere Kapitalmarktorientierung langfristig die bessere Lösung sein kann als maximale Garantien.

Denn bei der Altersvorsorge geht es nicht nur darum, Risiken zu vermeiden.

Es geht auch darum, Chancen sinnvoll zu nutzen.

Flexibilität bei der Entnahme

Bei einem normalen Depot oder einer fondsgebundenen Rentenvorsorge entscheidet der Anleger grundsätzlich selbst:

  • Wann Kapital entnommen wird
  • Wie viel Kapital entnommen wird
  • Ob einmalige Entnahmen erfolgen
  • Ob regelmäßige Auszahlungen erfolgen
  • Ob gar nichts entnommen wird

Beim Altersvorsorgedepot sind diese Freiheiten deutlich eingeschränkt.

Begrenzte Kapitalentnahme

Nach aktuellem Stand sind zum Rentenbeginn lediglich bis zu 30 % Kapitalentnahme vorgesehen.

Der restliche Teil muss entweder:

  • verrentet werden oder
  • über einen Auszahlplan ausgezahlt werden.

Für Menschen, die beispielsweise größere Kapitalbeträge für:

  • Immobilieninvestitionen
  • Unterstützung von Kindern
  • Schenkungen
  • Unternehmensnachfolge

verwenden möchten, bedeutet dies weniger Flexibilität als bei einem freien Depot oder einer fondsgebundenen Rentenvorsorge.

Begrenzte Flexibilität beim Rentenbeginn

Der Renteneintritt soll grundsätzlich zwischen 65 und 70 Jahren erfolgen.

Wer früher auf sein Kapital zugreifen möchte, hat deutlich weniger Spielraum als bei klassischen Investmentdepots oder nicht geförderten Vorsorgelösungen.

Mögliche Nachteile in der Rentenphase

Auszahlplan: Was passiert nach dem 85. Lebensjahr?

Eine häufig übersehene Besonderheit betrifft die Rentenphase bei einem Auszahlplan.

Nach den bislang bekannten Regelungen kann das angesparte Kapital über einen festgelegten Zeitraum ausgezahlt werden, mindestens bis zum Alter 85.

Das klingt zunächst attraktiv, weil der Kunde flexibel bleibt und oft vergleichsweise hohe monatliche Auszahlungen erhält.

Allerdings sollte man sich eine entscheidende Frage stellen:

Was passiert, wenn ich deutlich älter als 85 Jahre werde?

Bei einem reinen Auszahlplan ist das Kapital irgendwann aufgebraucht. Danach endet die Auszahlung. Anders als bei einer lebenslangen Rentenzahlung besteht kein Schutz vor einem sehr langen Leben.

Gerade vor dem Hintergrund der steigenden Lebenserwartung halte ich diesen Punkt für wichtig. Wer heute mit 65 Jahren in Rente geht, muss durchaus einkalkulieren, dass er 90 Jahre oder älter wird.

Deshalb sollte sorgfältig geprüft werden, ob ein reiner Auszahlplan wirklich zur persönlichen Situation passt.

Lebenslange Verrentung mit Kapitalmarktanteil

Eine weitere Neuerung ist die Möglichkeit, beispielsweise 80 % des Kapitals lebenslang verrenten zu lassen und die übrigen 20 % weiterhin am Kapitalmarkt investiert zu lassen.

Der Vorteil liegt auf der Hand:

Bei positiven Kapitalmarktentwicklungen können zusätzliche Erträge erzielt und sogar höhere Rentenzahlungen ermöglicht werden.

Allerdings entsteht dadurch auch ein Risiko, über das offen gesprochen werden sollte.

Das Renditereihenfolgerisiko

In der Vermögensplanung spricht man vom sogenannten Renditereihenfolgerisiko.

Dabei geht es nicht nur darum, welche Rendite langfristig erzielt wird, sondern vor allem darum, wann gute oder schlechte Börsenjahre auftreten.

Ein einfaches Beispiel:

Zwei Anleger erzielen über 20 Jahre dieselbe durchschnittliche Rendite.

Der eine erlebt schwache Börsenjahre am Anfang seiner Rentenphase.

Der andere erlebt diese schlechten Jahre erst deutlich später.

Obwohl beide dieselbe Durchschnittsrendite erzielen, kann das Ergebnis völlig unterschiedlich ausfallen.

Wer bereits Auszahlungen erhält und gleichzeitig Kapitalverluste erleidet, entnimmt Geld aus einem bereits geschrumpften Vermögen. Dadurch sinkt das verbleibende Kapital noch schneller.

Schwankende oder sinkende Renten möglich

Aus meiner Sicht wird dieser Punkt in der öffentlichen Diskussion häufig unterschätzt.

Wenn ein Teil des Vermögens auch während der Rentenphase investiert bleibt, können die Auszahlungen nicht nur steigen.

Sie können auch sinken.

Das bedeutet:

  • Gute Kapitalmarktjahre können zu höheren Renten führen.
  • Schwache Kapitalmarktjahre können zu niedrigeren Renten führen.
  • Im ungünstigen Fall kann die Kaufkraft im Ruhestand stärker unter Druck geraten als ursprünglich erwartet.

Viele Menschen wünschen sich jedoch gerade in der Rentenphase möglichst stabile und planbare Einkünfte.

Deshalb sollte genau geprüft werden, welcher Anteil des Vermögens dauerhaft Kapitalmarktrisiken ausgesetzt sein soll.

Mein persönliches Fazit zur Entnahmephase

Die neuen Möglichkeiten des Altersvorsorgedepots schaffen mehr Flexibilität und mehr Kapitalmarktchancen.

Gleichzeitig übernehmen Anleger dadurch aber auch mehr Verantwortung.

Insbesondere folgende Fragen sollten frühzeitig geklärt werden:

  • Soll eine lebenslange, garantierte Rente im Vordergrund stehen?
  • Ist ein Auszahlplan bis Alter 85 ausreichend?
  • Wie hoch darf das Kapitalmarktrisiko in der Rentenphase sein?
  • Wie wirken sich Börsenschwankungen auf die persönlichen Einkünfte im Ruhestand aus?

Genau hier zeigt sich aus meiner Sicht der Unterschied zwischen einem Produktabschluss und einer ganzheitlichen Altersvorsorgeplanung.

Denn die wichtigste Frage lautet am Ende nicht, wie attraktiv die Förderung heute ist, sondern ob das Einkommen im Ruhestand auch in 20, 30 oder 40 Jahren noch zuverlässig zu den persönlichen Zielen und Bedürfnissen passt.

Vererbbarkeit

Hier entstehen aus meiner Sicht die größten Unterschiede zum klassischen Depot oder einer fondsgebundenen Rentenvorsorge.

Während der Ansparphase

Grundsätzlich bleibt das angesparte Vermögen vererbbar.

Das ist positiv.

Allerdings erfolgt die Übertragung innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen des AVD und nicht so flexibel wie bei einem normalen Depot oder einer fondsgebundenen Rentenvorsorge. Wobei die fondsgebundene Rentenvorsorge die meisten Vorteile bietet.

Bei lebenslanger Verrentung

Sobald aus Kapital eine lebenslange Rente geworden ist, verändert sich die Situation erheblich.

Je nach gewählter Rentengarantiezeit kann ein Teil der Leistungen an Hinterbliebene fließen.

Nach Ablauf der Garantiezeit endet die Leistung jedoch in vielen Fällen mit dem Tod der versicherten Person.

Das bedeutet:

Wer sehr lange lebt, profitiert von der Versicherungsgemeinschaft.

Wer früh verstirbt, hinterlässt unter Umständen deutlich weniger Vermögen als bei einem frei verfügbaren Depot.

Rentengarantiezeit wird standardisiert

Nach aktuellem Stand sind lediglich folgende Varianten vorgesehen:

  • keine Rentengarantiezeit
  • 10 Jahre Rentengarantiezeit
  • 20 Jahre Rentengarantiezeit

Auch hier besteht weniger Individualisierung als bei vielen heutigen Versicherungslösungen.

Auszahlplan und Vererbung

Beim Auszahlplan sieht die Situation etwas besser aus.

Solange Kapital vorhanden ist, kann das verbleibende Vermögen grundsätzlich an die Erben fallen.

Allerdings besteht hier wiederum das Problem:

Mit 85 oder nach Ablauf des vereinbarten Auszahlungszeitraums kann das Kapital vollständig aufgebraucht sein.

Dann gibt es nichts mehr zu vererben.

 

Mein Fazit

Das Altersvorsorgedepot ist aus meiner Sicht eine sehr interessante und sinnvolle Weiterentwicklung der staatlich geförderten Altersvorsorge.

Die Reform wird neue Chancen schaffen, insbesondere durch mehr Kapitalmarktorientierung, attraktivere Fördermöglichkeiten und die Öffnung für neue Zielgruppen.

Gleichzeitig wird sie nicht die eine Lösung für alle sein.

Entscheidend wird sein, wie das Altersvorsorgedepot in das gesamte Altersvorsorge- und Vermögenskonzept eines Menschen eingebunden wird.

Genau dabei unterstütze ich meine Mandanten.

Wer frühzeitig prüft, welche Auswirkungen die Reform auf die eigene Situation hat, kann die Chancen optimal nutzen und Fehlentscheidungen vermeiden.

Grundsätzliche Veränderungen

Das Altersvorsorgedepot (AVD) soll ab dem 01.01.2027 die bisherige Riester-Förderung für Neuabschlüsse ersetzen.

Wesentliche Änderungen:

  • Neue Förderlogik
  • Mehr Kapitalmarktorientierung
  • Flexiblere Rentenphase
  • Neue Zielgruppen
  • Unterschiedliche Garantielevel
  • Vereinfachungen bei der wohnwirtschaftlichen Verwendung

Was bleibt bestehen?

Zulagenförderung

Die staatliche Zulagenförderung bleibt grundsätzlich erhalten.

Sonderausgabenabzug

Beiträge können weiterhin steuerlich berücksichtigt werden.

Nachgelagerte Besteuerung

Die Besteuerung erfolgt weiterhin in der Auszahlungsphase.


Förderberechtigte Personen

Förderberechtigt bleiben die bisherigen Personengruppen.

Neu hinzu kommen:

  • Selbstständige
  • Freiberufler
  • Kammerberufler

Dadurch wird der Kreis der Förderberechtigten deutlich erweitert.


Neue Förderlogik

Grundförderung

Förderfähig sind Beiträge bis 1.800 € pro Jahr.

Erste Förderstufe

Die ersten 360 € Jahresbeitrag werden mit 50 % gefördert.

Beispiel:

  • 360 € Eigenbeitrag
  • 180 € Förderung

Zweite Förderstufe

Für Beiträge von 360,01 € bis 1.800 € beträgt die Förderung 25 %.

Dadurch entsteht eine maximale Grundförderung von:

540 € pro Jahr


Kinderzulage

Die bisherige Kinderzulage bleibt erhalten.

Förderung:

  • 1 € Zulage je 1 € Eigenbeitrag
  • maximal 300 € pro Kind

Beispiel:

  • 30 € Monatsbeitrag
  • zwei Kinder

Ergebnis:

  • 180 € Grundförderung
  • 600 € Kinderzulage

Gesamtförderung:

780 € jährlich


Steuerliche Förderung

Die Beiträge können weiterhin steuerlich berücksichtigt werden.

Förderfähig sind:

  • 1.800 € Eigenbeitrag
  • zuzüglich Zulagen

Beispiel:

  • 1.800 € Eigenbeitrag
  • 540 € Zulagen

Steuerlich ansetzbar:

2.340 €


Eintritt in die Rentenphase

Riester bisher

  • teilweise Rentenbeginn ab 60
  • teilweise ab 62

AVD künftig

Rentenbeginn:

  • frühestens 65
  • spätestens 70

Garantien

Bisher Riester

  • 100 % Beitragsgarantie

Künftig AVD

Wahlweise:

  • 100 % Garantie
  • 80 % Garantie
  • 0 % Garantie

Dadurch entstehen höhere Kapitalmarktchancen, insbesondere bei langen Laufzeiten.


Kapitalanlage

Fonds und ETFs

Fonds- und ETF-Anlagen sind möglich.

ELTIFs

Neu ist die Öffnung für:

ELTIFs (European Long-Term Investment Funds)


Hinterbliebenenschutz

Bisher gab es unterschiedliche Rentengarantiezeiten.

Künftig:

  • keine Garantiezeit
  • 10 Jahre Garantiezeit
  • 20 Jahre Garantiezeit

Ziel ist eine stärkere Standardisierung.


Wohnwirtschaftliche Verwendung

Der bisherige Wohn-Riester entfällt.

Stattdessen gibt es die:

Wohnwirtschaftliche Verwendung

Wesentliche Änderung:

Früher wurde das entnommene Kapital fortgeschrieben und verzinst.

Künftig:

  • keine Fortschreibung
  • keine Verzinsung

Beispiel:

Entnahme:

20.000 €

Bei Rentenbeginn werden weiterhin lediglich die ursprünglichen 20.000 € berücksichtigt.

Die Nutzung ist künftig freiwillig und nicht verpflichtend.


Produktarten

Standardprodukt

Merkmale:

  • keine Garantie
  • zwei Fonds
    • ein defensiver Fonds
    • ein offensiver Fonds
  • Fondswechsel nicht möglich
  • maximale Effektivkosten von 1 %
  • Anbieter bestimmt die Fonds

Zusätzlich kann der Staat selbst ein eigenes Standardprodukt anbieten.


Premiumprodukt ohne Garantie

Merkmale:

  • 0 % Beitragsgarantie
  • breite Fondsauswahl
  • Rebalancing
  • wohnwirtschaftliche Verwendung
  • Management-Tools
  • erweiterte digitale Funktionen

Premiumprodukt mit Garantie

Merkmale:

  • 80 % oder 100 % Garantie
  • ansonsten ähnliche Zusatzleistungen wie Premium ohne Garantie

Anbietergruppen

Standardprodukt

Kann angeboten werden durch:

  • Versicherer
  • Banken
  • Investmentgesellschaften
  • Bausparkassen
  • Neobroker
  • gegebenenfalls den Staat

Premiumprodukte

Ohne Garantie

  • Versicherer
  • Investmentgesellschaften
  • Neobroker

Mit Garantie

  • überwiegend Versicherer

Auszahlungsphase

Es sind drei Varianten vorgesehen.

1. Lebenslange Verrentung

Klassische Rentenzahlung bis zum Lebensende.

Neu möglich:

  • 80 % Verrentung
  • 20 % verbleiben kapitalmarktorientiert investiert

Dadurch können Renten steigen oder fallen.


2. Auszahlplan

Das vorhandene Kapital wird auf einen vorher festgelegten Zeitraum verteilt.

Mindestens bis Alter 85.

Nach Ablauf:

  • keine weitere Rentenzahlung

Beispiel:

120.000 € Kapital

240 Monate Auszahlungszeitraum

= 500 € monatliche Auszahlung


3. Teilkapitalisierung

Zum Rentenbeginn können bis zu:

30 % des Kapitals

entnommen werden.


Umgang mit bestehenden Riester-Verträgen

Möglichkeit 1

Riester unverändert fortführen.


Möglichkeit 2

Riester behalten, aber in die neue Förderwelt wechseln.


Möglichkeit 3

Riester beitragsfrei stellen und neues AVD abschließen.


Möglichkeit 4

Riester-Guthaben förderunschädlich in ein AVD übertragen.


Wichtiger Hinweis

Sobald ein Kunde in die neue Förderlogik des AVD wechselt:

Kein Wechsel zurück in die alte Riester-Förderung möglich.

Deshalb ist insbesondere bei Personen mit:

  • niedrigem Einkommen
  • mehreren Kindern

eine sorgfältige Prüfung erforderlich.